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19. September 2009 6 19 /09 /September /2009 19:19

Bienen gehören zu den wichtigsten Nutztieren in Deutschland. Sie bestäuben ca. 80 % aller Blüten. Ohne die Arbeit der Bienen wäre unsere Nahrungsgrundlage bedroht. Umso besorgniserregender, dass die Bienenbestände zurückgehen und Imker Nachwuchsprobleme haben. Und: Der steigende Anbau von Gentech-Mais in Deutschland macht ihnen erheblich zu schaffen.

 

„Imker haften nicht für Einträge von gentechnisch veränderten Pollen in konventionelle oder ökologische Strukturen, da sich der Flug der Honigbiene nicht kontrollieren lässt.“ so Verbraucher- und Landwirtschaftsminister Horst Seehofer in seinem neuesten Eckpunkte-Papier zum Gentechnik-Gesetz. Seehofer übersieht aber, dass sich die Konsequenzen des Anbaus von Gentech-Pflanzen für Imker nicht so einfach abhandeln lassen. Und Seehofer gesteht damit offen ein, dass sich gentechnisch veränderte Organismen unkontrolliert ausbreiten.

 

Bienen haben einen Flugradius von mehreren Kilometern. Horst Seehofer hält jedoch einen Sicherheitsabstand von 150 Metern zwischen konventionellem Anbau und Feldern, auf denen Gentech-Mais wächst, für Ausreichend. Da Bienen sehr viel weiter fliegen, sollen Imker zwar nicht haften, wenn ihre Bienen andere Felder mit Pollen von genetisch manipuliertem Pflanzen verseuchen.

 

Doch wer haftet, wenn der Honig kontaminiert wird? Besonders bei Forschungsfreisetzungen oder Pflanzen, die keine Zulassung als Lebesmittel haben, ist die Gefahr groß, dass trotzdem gentechnisch verändertes Material in die Lebensmittelkette gelangt.

 

Ein paar Geschichten:

1. Der Imker ist der Dumme

Ein bayerischer Imker muss seine Jahresernte in die Müllverbrennungsanlage bringen, weil sie Pollen von Genmais enthält. Ob er Schadenersatz erhält, ist offen. Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte im Juni geurteilt, dass Honig nicht verkehrsfähig sei, wenn er mit Gentech-Pollen verunreinigt ist. Der Imker müsse sich jedoch selbst schützen. Das Gericht verrät nichtwie. Mit Kondomen für jede Biene?

 

Südwest Presse (09.01.2008): Bienen weg, Honig im Müllofen
taz.de (2.10.2008): Honig wird zu Sondermüll
taz-Kommentar (2.10.08): Der Imker ist der Dumme
Mellifera e.V. (15.07.08): Imker flüchten vor Gen-Mais
Bundesfraktion der Grünen (15.07.08): Gentechnik oder Bienen

Bienen und Agro-Gentechnik (30.05.2008): Honig mit Gentechnik verboten - Imker jedoch ohne Schutz

 Urteil des Verwaltungsgerichts Augsburg (30.05.08) 

 

In einem weiteren Fall wies das Verwaltungsgericht Frankfurt die Klage zurück, weil MON 810-Pollen im Honig  gar kein genetisch veränderter Organismus sei. Wie das dem Großhandel sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern vermittelt werden soll, ist jedoch fraglich.

 Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder: Beschluss Mai 2007

 

 

2. Imker-Proteste

Berufsimker Michael Grolm und Biologe Christoph Bautz wurden am 5. Juli 2008 im brandenburgischen Bad Freienwalde zu je 20 Tagessätzen verurteilt. Sie hatten im Juli 2007 an einer öffentlichen "Feldbefreiung" im Oderbruch teilgenommen, bei der rund 5 Hektar Genmais zerstört worden waren. Die Angeklagten hatten ihren Freispruch gefordert und dafür plädiert, dass die Richterin auf rechtfertigenden Notstand erkenne.

 Junge Welt (05.07.2008): Im Sinne Monsantos



3. Imker-Klagen

Viele Imker fühlen sich durch den Anbau von gentechnisch verändertem Mais in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Denn Verbraucherinnen und Verbraucher wollen gentechnikfreie Lebensmittel und Imker wollen keinen Gentech-Honig produzieren, was schwierig sein kann: Denn arbeitet ein Imker in der Nähe eines Gentech-Mais-Feldes, lassen sich ziemlich schnell gentechnisch veränderte Bestandteile im Honig nachweisen. Einige Imker haben sich daher zusammengeschlossen und klagen gegen den Anbau von MON 810. Oder sie werden verklagt - weil sie sich wie der Imker Michael Grolm (siehe oben) - mit Feldbefreiungen gegen die Bedrohung ihrer Existenzgrundlage wehren.

 

4. Bienensterben in Argentinien wegen gentechnisch veränderter Soja?

Argentinische Imker sehen ihre Bienen durch Gentechnik bedroht. Auf dem 41. Weltkongress der Imker im französischen Montpellier beherrschte das Bienensterben die Diskussion. Der Präsident des argentinischen Imkerverbandes Sada, Lucas Martinez, sieht die Hauptursache in der Gentechnik. "Das grosse Problem bei uns ist der massive Anbau von Soja, Gen-Soja. Der verdrängt die Imker immer mehr, vor allem aus der Pampa, wo sie bislang arbeiteten." Dabei ist Argentinien der fünftgrösste Honigproduzent weltweit, und Nummer Eins beim Export. Immer mehr Imker werfen das Handtuch. Allein letztes Jahr haben sie 30% der Honigbienenvölker verloren.
Deutschlandfunk: Diskussion um BienensterbenInfodienst: Bienen und Gentechnik

5. Deutscher Imkerbund positioniert sich gegen Gentechnik

Zum Deutschen Imkertag 2007 trafen sich im Oktober rund 600 Imkerinnen und Imker in Frankfurt/Main. Wichtigstes Ergebnis in der Vertreterversammlung am Samstag war die einstimmige Verabschiedung eines gemeinsamen Positionspapiers zur Grünen Gentechnik. Der Beschluss verdeutlicht, dass die Imkerinnen und Imker in Deutschland mit übergroßer Mehrheit die Grüne Gentechnik ablehnen, da Bienen und Bienenprodukte in besonderer Weise von gentechnisch veränderten Organismen betroffen sind.

Deutscher Imkerbund e.V.:  Positionspapier zur Grünen Gentechnik

 


Siehe auch:

Deutsche lehnen Gen-Food ab

Die (un-)heimliche Gen-Attacke
Greenpeace veröffentlicht Einkaufsratgeber "Essen ohne Gentechnik"
Genetisch modifizierte Lebensmittel bergen hohes Gesundheitsrisiko
Imitat-Essen: Wie Politik und Industrie vom Betrug ablenken


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Published by Direkte Aktion - in Gen-Manipulation
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Kommentare

Frank Sertic 09/21/2009 10:49

Ich glaube wir Imker können machen was wir wollen.
Auch der DIB wird nichts ausrichten können.

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