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11. September 2009 5 11 /09 /September /2009 19:04
Monheim am Rhein war eine ganz normale Stadt.  43 308 Einwohner, ein Schwimmbad  und ziemlich langweilig.

Sie liegt in Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann im Regierungsbezirk Düsseldorf.

Die meisten Menschen in Deutschland hatten bis vor kurzem noch nie von Monheim gehört. Ich auch ncht.

Nun ist Monheim bekannt, oder besser gesagt: Peto. Peto ist die Sensation aus Monheim. Peto ist eine Partei. Aber keine so ganz gewöhnliche. Peto ist lateinisch für "ich fordere" und wurde 1999 von fünf  17 Jahre alten Jugendlichen gegründet. Ihnen gelang damals auf Anhieb der Einzug in den Stadtrat.

Die Partei ist heute 10 Jahre alt, ihre Gründer heute 27.  Doch getragen wird die Arbeit weiterhin von Jugendlichen-  die jüngsten Kandidatinnen zu Kommunalwahl 2009 waren mit 18 Jahren gerade alt genug, um kandidieren zu können.

Bei der Kommunalwahl 2004 erreichte Peto dann stolze 16,1 Prozent. Und 2009 bei der Kommunalwahl ging der Erfolg weiter: Nur knapp 108 Stimmen fehlten Peto am Ende, um stärkste Fraktion im Gemeinderat zu werden. 29,6 Prozent reichten zum Platz 2 hinter der CDU  - beide sind im Monheimer Stadtrat mit je 12 Sitzen vertreten.

Doch die Freude der CDU über ihren ersten Platz währte nur kurz. Denn bei der zeitgleich stattfindenden Bürgermeisterwahl erreichte der Peto-Kandidat Daniel Zimmermann 30,35% - und damit mehr als der CDU Kandidat und auch mehr als jeder der anderen fünf  BewerberInnen.

Nun wird ein 27-jähriger Bürgemeister der Stadt Monheim. 

Erstaunliche Dinge passieren in dieser nordrhein-westfählichen Provinz. Was ist an Monheim so besonderes, dass ein paar Jugendliche in nur 10 Jahren die gesamte Stadtpolitik auf den Kopf stellen können?

Die Antwort: Nichts!

Zwar mögen en paar Monheimer Eigenheiten den Wahlausgang beeinflußt haben. Aber: Was in Monheim passiert ist, kann sich jederzeit anderswo wiederholen.

Denn die großen Parteien haben ihre Glaubwürdigkeit weitgehend verspielt und die Stammwähler (die auch den legendären Kartoffelsack wählen würden, wenn er nur in der richtigen Partei wäre) lösen sich - auch altersbedingt - auf.

Daneben greifen die alten Klischees & Ideologien nicht mehr: Links und rechts sind heute nur noch vage Kooridnaten in der  politischen Landschaft. Das hat schon mit den Grünen gegonnen. Sie haben gezeigt, dass man Konservativ und trotzdem für die Natur und gegen Atomkraft sein konnte. Das auch linke Männer extrem frauenfeindlich handeln konnten. Das Staatsmacht nicht weniger gefährlich / aber auch mehr gefährlicher ist als Konzernmacht. Und vor allem: Sie haben gezeigt, das man nicht Anzug und Krawatte tragen muß, um in der Politik etwas zu erreichen.

Außerdem haben sie gezeigt, dass man die Dinge so wie sie sind, nicht einfach hinnehmen muss, sondern tatsächlich etwas ändern kann.

Weniger denn je sind die Menschen in Deutschland bereit, sich von Parteien sagen zu lassen , was sie zu tun und zu denen haben. Die Ideologien rechts und links verlieren an Bedeutung.

Politische Initiativen können heute gerade dann erfolgreich sein, wenn sie sich aus der ideologischen Klammer der großen Parteien lösen.

Peto hat im Wahlkampf in Monheim mit ganz pragmatischen Themen gepunktet:
Zwar klingen hier an vielen Stellen Postionen durch, die auch die Linken oder die Grünen und sicher fast alle  SPD-Mitglieder problemlos unterschreiben könnten.

Doch was hier auffällt ist, das das glaubhaft nicht  etwas Forderungen sind, die dem Zweck dienen, Mehrheiten zu gewinnen, sondern das es vor allem um ganz konkretet Verbesserungen geht: Peto will z.B. "die Linien 790, 777 und 788 enger zu takten und länger fahren zu lassen".

Mit solchen Konzepten sind auch schon Grüne zu Bürgermeistern gewählt worden (oder nur knapp gescheitert). Auch der Einzug der Piratenpartei in die Stadtparlamente in Münster und Aachen hängt sicherlich mit der Erwartung zusammen, dass die Piraten sach-orientiert entscheiden, statt einer Ideologie zu folgen.

Natürlich haben es die Piraten auf bundespolitischer Ebene mit solchen Ansätzen schwerer. Denn die Bundestagswahl wird leider immer noch leider zu einem guten Teil von de BILD und den zugehörigen Stammtischen basierend auf niederen Instinkten entschieden. Trotzdem werden die Piraten zumindest einen Achtungserfolg erringen und den etablierten Parteien zeigen, das mit ihnen zu rechen ist.

Und in dem einen oder anderen Wahlkreis könnte auch schon eine Überraschung erfolgen: Zum Beispiel in Berlin, wo der 19-jährige Enno Munzel als unabhängiger Direktkandidat kandidiert.

Wir stehen erst am Anfang einer neuen Zeit, in der die alten Parteien ihre Macht verloren haben. Wasdanach kommt? Spannend! Schaun wir mal.


Siehe auch:

Westerwelle ist die Bauchrednerpuppe der Konzerne - Hagen Rether 

Nichtwählen ist auch keine Lösung 

Piraten nicht eingeladen zu "TV Total Bundestagswahl" - Teil 2 

Anti-demokratische Tendenzen der FDP werden offensichtlich

Dr. Motte & der Wahlkampf der Piraten

Rüttgers: Und die Deutschen sind alles Nazis 

Pädophile straffrei - CDU & SPD treiben Staatsanwalt zur Aufgabe 

 

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Published by Direkte Aktion - in Parteien und Wahlen
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