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19. Juni 2009 5 19 /06 /Juni /2009 21:16

Danke für euer Feedback und eure Anregungen hier und bei identi.ca und Twitter. Habe nun eine finale Version meines Briefes fertig (hat etwas gedauert, weil ich in den letzten 2 Wochen viel schaffen musste):

 

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An Herrn Ludwig Koll

Ferrero Deutschland GmbH

60624 Frankfurt am Main



Sehr geehrter Herr Ludwig Koll

ich bin seit langem ein Anhänger ihres Produktes "Nutella". Ich genieße es, zum Frühstück, ein (oder mehrere) Brötchen mit Nutella zu verzehren.

Doch seit kurzem ist es mit dem Genuss vorbei. Denn ich habe in einer Zeitschrift, dem aktuellen Greenpeace Magazin, gelesen, unter welchen Bedingungen Kakao in Afrika geerntet und verarbeitet wird.

Insbesondere hat mich schockiert, das dort viele Kinder bei der Ernte eingesetzt werden - viele nur 10 Jahre alt - und dass diese unter furchtbaren Bedingungen arbeiten müssen und ständig mit gefährlichen Chemikalien in Berührung kommen.

Ich habe daraufhin im Internet recherchiert und dort die meisten Fakten aus dem Artikel aus unabhängigen Quellen bestätigt bekommen.

Das hat mir den Genuss von Nutella und anderen Schokoladenprodukten gründlich verdorben. Was mich aber am meisten berührt: Dass Firmen wie Ferrero gar nichts tun, damit sich die Situation ändert. Ich meine, das Thema ist ja keineswegs neu.

Sind die Konzerne tatsächlich so amoralische Monster, das ihnen völlig egal ist, woher ihre Rohstoffe kommen? Kein Wunder, das sich die öffentliche Stimmung immer mehr gegen die Konzerne richtet.

Ich wende mich hiermit als Stamm-Kunde von Ferrero ganz bewußt an Sie mit der Bitte, der Ausbeutung und Versklavung von Kindern endlich ein Ende zu setzten. Sie können das. Denn nur wenn von Kindern hergestellte Produkte nicht mehr gekauft werden, dann endet auch die Ausbeutung. Solange Kinderhände aber Profite erwirtschaften, wird das Leid weitergehen.

Sie verkaufen auch "Kinderschokolade" - das Produkt hat für mich nun einen ganz anderen Klang, seit ich weiß, unter welchen Bedingungen die Vorprodukte erzeugt werden.

Ich jedenfalls kann mit dem Wissen nicht einfach weiter Schokolade essen wie bisher. Ich werde verzichten oder mir Alternativen aus dem fairen Handel suchen.

Aber dabei wird es nicht bleiben: Ich werde auch Verwandte, Freunde und Kollegen darauf aufmerksam machen, woher die Nutella-Zutaten stammen und sie bitten, zukünfitg auf Ihr Produkt zu verzichten. Und ich werde versuchen, mit Hilfe von Leserbriefen und dem Internet möglichst viele Menschen davon zu überzeugen, auf Nutella zu verzichten. Solange bis ich sicher bin, dass Leckeien wie Nutella ohne den bitteren Beigeschmack von Kinderarbeit genossen werden können.

Außerdem werde ich mich dafür einsetzen, dass Firmen, die in Deutschland ihre Produkte verkaufen wollen, auch haftbar gemacht werden für die Schäden, die bei der Entstehung der Vorprodukte in anderen Ländern angerichtet werden.


Mit freundlichen Grüßen

 

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Würde mich freuen, wenn viele von Euch auch so oder ähnlich an Ferrero schreiben würden. Eine E-Mail Adresse habe ich auf Anhieb nicht gefunden. Aber ein Brief an den Sprecher der Geschäftsführung dürfte mehr beachtet werden, als eine E-Mail, die im Callcenter landet.


Wer des Italienischen mächtig ist, kann natürlich auch an die Zentrale in Italien schreiben:

 

Ferrero S.p.a.

Via Maria Cristina, 47
10025 PINO TORINESE (TO)
 
Tel. +39 011 815 21 11
Fax  +39 011 84 04 70
 
http://www.ferrero.it

 

Zum Hintergrund:

Zart, aber bitter - Kinderarbeit in der Schokoladenindustrie

 

Alternative zu Nutella:

"Nutella" ohne Kindersklaverei 

 

 

P.S. Die Bilder zu diesem Artikel stelle ich euch gern unter der Creative Commons  Attribution-Share Alike Lizenz zur Verfügung. Als Attribution reicht ein Link bei euch auf diesen Brief oder den Hintergrund-Artikel (s.o.) oder - falls die Verwendung off-line erfolgt -die Nennung des Blogs "DirekteAktion.overblog.de".

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Published by Direkte Aktion - in Lebensmittel
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Kommentare

buergerx 06/14/2011 21:59


Habe schon einen anderen Brief (andere Firma) mitgezeichnet

Grund war folgender Artikel
http://www.afrikapost.de/
„Blutschokolade“
Death by Chocolate?
Artikel aus dem Heft 1/2008

Die Côte d‘Ivoire ist der größte Kakao-Produzent der Welt. Doch nur wenigen Schokoladenkonsumenten ist bewusst, dass der Kakao-Handel im ivorischen Bürgerkrieg der letzten Jahre eine bittere Rolle
spielt. Eine umfassende Studie der britischen Menschenrechtsorganisation Global Witness kommt zu dem Schluss: Was „Blutdiamanten“ für Sierra Leone und „Blutholz“ für Liberia waren, ist die
„Blutschokolade“ für die Côte d‘Ivoire.
Von Dag Zimen


Rund 40 Prozent der weltweiten Kakao-Produktion im Jahr 2006 kamen aus der Côte d‘Ivoire. Kakao ist mit einem durchschnittlichen Anteil von 35 Prozent am Gesamtexport die wichtigste Ressource des
westafrikanischen Landes, der Wert des exportierten Kakaos beträgt etwas 1,4 Milliarden US-Dollar jährlich. Etwa drei bis vier Millionen der 16 Millionen Einwohner des Landes arbeiten im
Kakao-Sektor. Etwa zehn Prozent der Anbaufläche liegen im Rebellen-Territorium des seit 2002 zweigeteilten Landes, der Rest im von der Regierung von Präsident Laurent Gbagbo kontollierten
Süden.
Der auf der Grundlage von umfassenden Feldstudien 2006 entstandene Report zur Rolle des Kakao-Handels im ivorischen Konflikt belegt, wie Einnahmen aus dem Kakaohandel zur Finanzierung des
bewaffneten Konfliktes beitrugen und wie Korruption und Zweckentfremdung der Kakaogewinne – sowohl durch die Regierung als auch die Rebellengruppe der Forces Nouvelles (FN) – eine Lösung des
Konflikts unterminieren.

Waffenkäufe der Regierung
Auf Seiten der Regierung haben die staatlichen Kakao-Institutionen, die mehrheitlich erst nach dem Machtantritt von Laurent Gbagbo 2001 eingerichtet wurden, bis 2006 mindestens 20,3 Millionen
US-Dollar direkt zur Finanzierung des Krieges gegen die Rebellen beigetragen. Mit daran beteiligt waren auch multinationale Unternehmen wie Cargill oder die europäische ED & F Man Holdings Ltd,
die als Mitglieder der nationalen Vereinigung der großen Kakao- und Kaffee-Exportunternehmen in die aktive Kriegsunterstützung durch die Bourse du Café et Cacao involviert waren.
Ferner, so der Report, hätten Präsident Gbagbo und seine Entourage, die die Kontrolle über die nationalen Kakao-Institutionen hält, zusätzlich mindestens 38,5 Millionen Dollar für Waffenkäufe
ausgegeben. Global Witness zitiert einen Insider: „Natürlich kauft die Regierung von dem Kakao-Geld Waffen. Sie begehen nur den Fehler, es vertuschen zu wollen.“
Korruption und politische Einmischung in den ivorischen Kakao-Sektor sind freilich keine neuen Phänomene, doch gewannen sie durch den 2002 ausgebrochenen Bürgerkrieg eine neue, im Wortsinn blutige
Dynamik.
Ermöglicht wird dies durch die ausgesprochen komplexe und damit intransparente Organisationsstruktur des Kakao-Sektors sowie durch die strategischen Besetzungen der wichtigsten Posten mit
Gbagbo-Getreuen. Dies gibt der Regierung zahlreiche Möglichkeiten, die Kakao-Gewinne für die Bürgerkriegsfinanzierung zweckzuentfremden.
Unabhängig von der Frage, ob es legitimes Regierungshandeln ist, Rebellenangriffe gegen ihr Territorium abzuwehren, sieht es Global Witness auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse als
unrechtmäßig an, dass ausgerechnet die Kakao-Erlöse für die Finanzierung des bewaffneten Konflikts herangezogen werden. Die Organisation fordert daher in erste Linie eine größere Transparenz auf
dem Kakao-Sektor.
Die ivorische Regierung, die dem Report zufolge zum Teil heftige Repressionen gegen die Nachforschungen bezüglich ihrer Kakao-Geschäfte ergriff, zeigte sich nach Erscheinen der Studie im Juli 2007
indes eher amüsiert als verärgert: „Was haben die denn geglaubt, woher wir das Geld zur Kriegsführung nehmen?“, so Appia Kran, einer der führenden Politiker in Laurent Gbagbos Regierungspartei
CNRD.

Auch die Rebellen im Geschäft
Anders als die Regierung streiten die im Norden der Côte d‘Ivoire herrschenden Rebellen kategorisch ab, mit „Blutkakao“ und „Blutschokolade“ zu tu zu haben. Wohingegen Global Witness schätzt, das
auch die Forces Nouvelles seit 2004 etwa 30 Millionen US-Dollar aus dem Kakao-Handel in den bewaffneten Kampf abgezweigt haben. Handhabe der FN dafür seien vor allem die Export- und die
Registrierungssteuer, die Kakao-Produzenten der Rebellenregierung zu entrichten haben. Die Rebellen sind zwar gemäß des seit 2003 laufenden „Friedensabkommens“ auch in die landesweite
„Versöhnungsregierung“ eingebunden, haben aber im Territorium nördlich der eingerichteten Pufferzone ein eigenes Steuer- und Abgabensystem etabliert, das sich in ertser Linie auf den Kakao-Sektor
ausrichtet, welcher der FN und ihren Führungskräften das wirtschaftliche Überleben sichert.
Der Rebellenhandel mit Kakao wird dem Report zufolge vor allem über Burkina Faso und nachfolgend Togo abgewickelt, Schätzungen von Global Witness beziffern sich auf bis zu 77.500 Tonnen
jährlich.
Die britische Nichtregierungsorganisation fordert zur Bekämpfung der „Blutschokolade“ vor allem eine größere Transparenz im gesamten ivorischen und internationalen Kakao-Handel. Auch eine stärkere
Befassung der internatnionalen Diplomatie mit der Problematik wird gefordert. Anders als im Fall des liberischen „Blutholzes“ und der „Blutdiamanten“ aus Sierra Leone gibt es bislang keinen
UN-Sanktionsmechanismus, der ivorische Schokolade ob ihrer Blutigkeit aus dem internationalen Handel ausschließen würde. Angesichts der großen wirtschaftlichen Abhängigkeit vor allem von kleinen
Kakao-Produzenten in der Côte d‘Ivoire warnen auch zahlreiche Handelsexperten vor derartigen Wirtschaftssanktionen. „Das Abschneiden der Côte D‘Ivoire vom globalen Kakao-Handel könnte bis zu vier
Millionen Menschen, die in dem Sektor arbeiten, schwer treffen. Es würde das Leben von MillionenMenschen noch mehr zerstören und gleichzeitig zu einem phänomenalen Anstieg der globalen Kakao- und
Schokoladenpreise führen“, sagt etwa Daniel Balint-Kurtz, Analyst und Côte d‘Ivoire-Experte bei der Londoner Bank Chatham House.
Nichtsdestotrotz erscheinen die Appelle von Global Witness zumindest an die internationale Schokoladen-Industrie angebracht, für mehr Transparenz darüber zu sorgen, woher genau der Kakao für die
Schokolade kommt und ob der bittersüße Schmelz nicht womöglich ein blutiger ist.

Weitere Informationen unter www.globalwitness.org


Raju 06/01/2011 19:40


Nicht nur das.

Mir ist vorallem diese http://www.sports-meets-style.de/ Aktion von Ferrero negativ aufgefallen.

So muß ein Kind, um einen MP3player "Gratis" zu erhalten, 150 "Punkte" sammeln.

Demnach müßte das Kind beispielsweiße 150 Packungen "Kinder Schokolade" kaufen und, im ungünstigsten Fall, auch Verzehren.

So kostet der "Gratis" Mp3 Player ca. EUR 150,00 bei einem Ø Verkaufspreis der Packung "Kinder Schokolade" von EUR 1,00


Miriam Lakemann 01/17/2010 19:33


Hier ein Briefwechsel von mir mit Ferrero. Leider bin ich nicht dazu gekommen, noch weiter nachzuhaken.
http://mueslikind.blogspot.com/2008/11/woher-kommt-die-kinderberraschung.html
http://mueslikind.blogspot.com/2008/12/endlich.html
http://mueslikind.blogspot.com/2008/12/wow.html


ifrost 11/30/2009 01:46


..gute Initiative: Hat sich denn da inzwischen etwas entwickelt? Reaktionen? Gruß, ingo


gaehn 10/01/2009 00:31


gaehn, solcher protest war schon vor 20 jahren so sinnlos


Direkte Aktion 10/03/2009 23:43


Oh, ein sehr konstruktiver Kommentar.


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