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16. April 2010 5 16 /04 /April /2010 22:11

Der Feminismus verdankt den Piraten viel. Nicht weil sie zu seinen eifrigsten Unterstützern gehören. Sondern weil der Feminismus am besten gedeiht, wenn er Konfrontation und heftige Ablehnung findet. Denn diese Konfrontation und heftige Ablehnung zeigt den Frauen erst, wie notwendig der Feminismus noch ist.

 

Und es ist heute selten, das sich jemand offen mit dem Feminismus anlegt. Zwar teilt kaum jemand (außer viellleicht ein Teil der Grünen) seine Positionen, aber fast alle Anderen haben erkannt, das jede heftige Kritik am Feminismus (also an der Theorie der Gleichberechtigung von Frauen) fast automatisch die Aufmerksamkeit auf die reale Macht- und Chancen-Ungleichheit zwischen den Geschlechtern lenkt. Und dass ist etwas, das die Männer-Parteien (und vor allem die sie unterstützende Industrie) um fast jeden Preis vermeiden wollen.

 

Also vermeidet man, offen gegen die Ansichten des Feminimisus zu reden, mit dem Ziel, ihm durch scheinbare Akzeptanz und mangels Gegner die Relevanz zu nehmen.

 

Das hat auch ganz gut geklappt. Alice Schwarzer & Co. haben sich Mangels respektablen (sich auch öffentlich äußernden) Gegnern auf die Bekämpfung von Symbolen (z.B. Kopftüchern) reduziert und dafür auch von Sexisten reichlich Applaus erhalten.

 

Viele Piraten Mitglieder dagegen sind - unerfahren im Umgang mit solche sensiblen, nicht -binären Themen - zum Glück voll in die Falle getappt. Ehrlich und direkt wie sie nun mal sind, haben sie die gesamte Ignoranz des Parallel-feministischen Zeitalter offengelegt: Frauen dürfen ja mitmachen, solange sie sich nicht über ihre systematische Benachteiligung /  Zurücksetzung beschweren.

 

Die ganz simplen Geister taten das durch massive sexistische/ persönliche (und ziemliche peinliche) Kommentare (bevorzug aus dem Schutz der Anonymität heraus ) hervor.

 

Einige etwas Intellektuellere beeilten sich zu erklären, dass sie längst im Zeitalter des Post-Feminismus angekommen und daher solche Debatten aus ihrer  Sicht überflüssig seien. Ihnen hätte allerdings auffallen sollen, dass sie vergessen haben, ihren Mitstreiterinnen ihre doch sehr spezielle Definition von Post-Feminismus zu erklären.

 

Es gab allerdings auch nicht wenige sehr kompetente und gute Diskussionsbeiräge - auf beiden Seiten der Diskussionslinien und von beiden Geschlechtern (z.B. zuletzt  "Zwei, drei Gedanken zum Panel 'Sexismus im Netz' " von Antje Schupp) .

 

Insofern verdanken wir den (Diskussionen innerhalb der) Piraten zweierlei: Erstens diese guten Beiträge, die sonst wohlmöglich nicht geschrieben worden wären und zweitens, das seit langem mal wieder ein breiter Diskurs über Sexismus und Feminismus geführt wurde und zwar bis in die Mainstream-Medien hinein.

 

Antje Schupps o.g. Bericht von der re:publika hat mir für einen Teil-Aspekt die Augen geöffnet, den ich bisher noch nicht betrachtet hatte und dem ich den Rest dieses Beitrags widmen möchte.

 

Ich finde die Unterscheidung zwischen Trollen und Sexisten wichtig:

 

Denn mit Sexisten ist potentiell ein Diskurs über Sexismus möglich (wenn auch oft schwierig), da ihre Äußerungen tatsächlich eine Meinung beziehungsweise eine Weltsicht darstellen. Sie glauben tatsächlich, dass ihre sexistischen Ansichten richtg / wahr sind. Sie mögen diesen Glauben aggressiv und heftigst verteidigen. Aber sie streben zumindet danach, das richtige zu tun. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist also in der Regel sinnvoll und kann auch dazu führen, das sich Überzeugungen ändern.

 

Trolle hingegen trollen, um eine negative Reaktion hervorzurufen. Sie benutzen sexistische Äußerung um zu provozieren, zu verletzen, zum Schweigen zu bringen. Sie benutzen auch jeden anderen Scheiß. Jede Auseinandersetzung mit Trollen ist sinnlos, da bereits die Auseinandersetzung die Methode der Trolle bestätigt: Sie haben die Aufmerksamkeit ihres Publikums. Und sie werden sie freiwillig nicht mehr hergeben- egal was sie dafür sagen oder schreiben müssen.

 

Daher reifte schon in den Frühzeiten des Internets (im Usenet und in Mailingslists – lange bevor es das Web gab) die Erkenntnis:

“Don’t feed the trolls”

Und weil Aufmerksamkeit ihr Futter ist, bedeutete das: Sie zu ignorieren, wo immer löschen nicht möglich war. Ohne Aufmerksamkeit sterben Trolle sehr zügig (oder ziehen weiter).

 

Daraus lassen sich zwei Folgerungen ableiten:

 

1.) Wenn wir im Netz auf sexistische Äußerungen treffen, sollten wir zunächst  abwägen oder versuchen heraus zu finden, ob es sich um genuine Sexisten handelt oder nur um Trolle. Denn je nachdem, was es ist, können ganz unterschiedliche Reaktionen sinnvoll sein.

 

2.) BetreiberInnen von Internet -Foren, -Chats und -Diskussionsgruppe, aber auch VeranstalterInnen von politischen Veranstaltungen müssen sich überlegen, wen sie wollen: Die Vernünftigen oder die Trolle. Denn wer Trolle gewähren läßt, schließt alle aus, die sich den Müll nicht mehr geben wollen. Im Gegensatz zu Trollen machen wir keinen Lärm, sondern wir bleiben einfach weg. Und kommen nicht wieder.

 

Und das auch gleich vorweg zu nehmen: Die Trolle rauszuwerfen oder ihre "Beitrage" zu löschen, mögen machen als Zensur sehen. Zuzulassen, das andere vertrieben werden, ist nichts anderes. Denn Zensur findet nicht nur durch löschen statt. Kritische Stimmen können genauso gut durch Überschreien, Beleidigungen, persönliche Angriffe oder Verunglimpfungen zum schweigen gebracht werden.

 

BetreiberIn, ModeratorIn oder VeranstalterIn zu sein bedeutet Macht & Verantwortung zu haben. Wir haben die Wahl, wen wir in unseren Comunities wollen: Trolle oder Nicht-Trolle.

 

P.S.: Ich benutze hier für Sexisten und Trolle durchgängig die männliche Form, weil die Hirne sowohl von Sexisten als auch von Trollen überwiegend in Hüllen männlicher Gestalt verpackt zu sein scheinen. Es wurden aber auch schon weibliche Exemplare gesichtet.

 

 

 

 

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Published by Direkte Aktion - in Gedanken und Kurzinfos
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Kommentare

feedCorpses 05/01/2010 10:28


aufs wesentliche Besinnen:

"Auch ich möchte dazu aufrufen, das TV auszuschalten und sich nicht weiter vergiften zu lassen, mit dem was eine Frau tun, sein und lassen sollte. Erkennt die suggerierten falschen Ideale!

Die wahre Schönheit einer Frau liegt in ihrer Sanftheit, Wärme und Güte. Sie liegt in ihrer Fähigkeit alles mit den Augen der Liebe zu betrachten und alles mit den Worten der Liebe zu verstehen.
Die Stärke einer Frau liegt im Zeigen ihrer Verletzlichkeit und der sanften Berührung aller sie umgebenden Dinge, wodurch sie deren Seele erkennt. Eine Frau ist die Trägerin des Lebens. Ihr Schoß
und ihre gebende Liebe formen das neue Wesen, welches die Zukunft unserer Erde bestimmt!

Und ein Licht müssen unsere Kinder entzünden können, denn um uns herum wird bewusst und absichtlich viel Dunkel und Hass geschaffen. Völker, Geschlechter, Glaubensgruppen werden gegeneinander
aufgehetzt. Denn je mehr man die menschliche Gemeinschaft zerstört, desto einfacher kann man sie lenken. Einzelner Widerstand ist kleiner, als kollektives Gegenhalten. Weiterhin hilft die bewusst
herbeigeführte Verdummung der Gesellschaft: „Ein dummes Volk regiert sich besser!“ Die Rolle der Frau, als Gebende, Erzieherin, Verbindende und Liebende ist im Kampf gegen diese Verdummungs- und
Auseinandertreibungsstrategie also von elementarer Bedeutung!

Doch was ist passiert mit der wahren Schönheit der Frau und deren Bedeutung?

Die Frauen wurden ihrer ureigensten Kraft und ihrer ureigensten Aufgabe beraubt. Sie wurden einer Gehirnwäsche unterzogen. Die Gehirnwäsche sagt: Du musst schön, sexy, schlank, erfolgreich,
wortgewandt, emanzipiert, egoistisch und individuell sein. Sei auch schmutzig und vulgär! Nimm dir was und wen du willst! Dann bist du begehrenswert! Dann bist du dem Manne endlich gleich, bzw.
ebenbürtig!

Dem Manne endlich gleich…?

Aber: Warum wollt ihr das, ihr Frauen? Was lasst ihr euch da einreden?

Ihr seid, so wie ihr seid und mit der natürlichen Aufgabe, die ihr auf dieser Erde erfüllen sollt, die schönsten und wertvollsten Geschöpfe Gottes!

Ihr seid diejenigen, die Familien zusammenhalten, die Liebe schaffen, die Leben tragen, die Feinde verbrüdern, Streitigkeiten schlichten und die im Dunkeln leuchten! Und diese Bedeutsamkeit ist die
Wichtigste überhaupt. Dabei ist es vollkommen legitim Ängste, Sorgen und Schwächen zu gestehen. Es ist richtig und gut sich in den Armen des Mannes geschützt und vertraut zu fühlen. Dies ist auch
etwas, was er an euch liebt! Ihr seid so stark in eurer Schwäche! Ihr inspiriert, gestaltet, kreiert und schafft das Leben. Ihr zähmt liebevoll wilde Kräfte und steht somit für den Einklang des
zivilisierten Menschen mit seiner animalischen Natur!


Stell dir einmal vor, eine Frau hätte dieses alte Wissen neu verinnerlicht. Stell dir vor, sie würde zu sich selber stehen und sich so lieben, wie sie ist. Stell dir vor, ihr Herz schlüge im
Gleichklang zu ihrer Seele. Stell dir vor, wie sie strahlen würde; vor innerer Schönheit, vor innerer Weisheit! Stell dir vor, sie stünde zu ihrer weichen, sanften, liebevollen Charakteristik.
Stell dir vor der Mann würde sie in ihrer Schönheit erkennen und genau so lieben, wie sie ist und genau für das Lieben, was sie darstellt.

Welche Produkte würde sie noch kaufen? Welche Schönheitskosmetika? Welches Silikon? Welche Frauenzeitschrift? Welche Kleidung? Welche Schlankheitsmittel? Welche Diätassistenten? Welche
Pflegeprodukte? Welche Illusionen?

Und hier komme ich zur entscheidenden Rolle des Mannes. Klar - auch er wurde bombardiert mit vollbusigen Hoppelhäschen aus Hochglanzmagazinen, Paris-Hilton-Geschwafel und weiblichen
Lieblingsstellungen. Auch er muss ausbrechen! Auch er muss erkennen, was da mit ihm geschieht. Er wird auf Äußerlichkeiten getrimmt und bekommt eine Checkliste nach der er seine Traumfrau auswählen
darf gleich mit dazu. Aber wenn er sich besinnt und in sich hinein horcht, wird auch er wieder erkennen, was er möchte. Er möchte eine Frau in all ihrer strahlenden Schönheit, Liebe und Ästhetik.
Keine Monsteremanze und auch kein Hoppelhäschen. Einfach eine Frau. Eine Frau die für ihn da ist und auch genauso liebt, wie er ist. Eine Frau, die weich und sanft ist. Eine Frau die ihm Halt gibt.
Eine Frau, die seine Kinder austrägt und deren Werte prägt. Eine Frau die er einfach lieben und beschützen darf, ohne sich mit ihr messen zu müssen. Eine Frau, der er nichts beweisen muss und die
sich nichts beweisen muss! Eine Frau, die eben eine Frau ist!

Ich stimme dem Verfasser voll und ganz zu, dass der Mann hier lernen muss, seine Frau zu bestätigen. Er muss ihr klarmachen können, wie viel wichtiger ihre Aufgabe ist und wie sehr er sie dafür
liebt. Er muss ihr diesen Quatsch ausreden, dass ihre Arbeit nichts Wert wäre, denn gerade ihre Arbeit hat den größten Wert überhaupt!

Liebe Frauen, ich möchte niemanden seinen Lebensweg, Beruf oder „Karriere“ ausreden. Fragt euch nur, ob ihr es wirklich so wollt! Denn das eine ist, einem vorgegaukelten Ideal hinterher zu laufen
und das andere ist, einen Herzenswunsch zu leben.

Besinnt euch auf das, was, wer und wie ihr seid! Denn das ist einzigartig, seelenvoll und wunderschön!

Eine Frau ..."


M-Flower-Theory 05/01/2010 10:23


...woh.... bitte kurz innehalten!
Hier wird vielzu leichtfertig mit dem Begriff "Feminismus" umgesprungen! Feminismus hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun! Feminismus definiert sich nicht in der Gleichstellung der Frau sondern
in der Bevorteilung der Frau, weil angenommen wird, sie sei von vornherein benachteiligt! Das mag ja sein, aber der "grundkonsens" der geknechteten Frau wird in dem Sinne nicht zur
Gleichberechtigung führen..... aber ich schweife ab!
Feminismus ist NICHT GLEICH Gleichberechtigung.

Equalism triffts da eher!


Urban Pirate 04/22/2010 16:47


Obwohl du in manchen Punkten nach meiner Ansicht durchaus recht hast, hast du leider einen kleinen aber feinen Punkt in der Debatte um "post-Gender" und Feminismus in der Piratenpartei falsch
verstanden oder außer Acht gelassen. ich jedenfalls bemühe mich darum, dieses Thema etwas differenzierter anzugehen.

Wir müssen nämlich bei den Protestbekundungen innerhalb der PP einige Dinge klar voneinander trennen. Dass es immer Trolle und Sexisten gibt, die ihren unqualifizierten Senf zu allem und jedem
beitragen, ist so. Da kann man nicht viel machen. Aber diese Elemente sind es auch nicht, auf die ich hier eingehen will. Nein, ich habe mich in der gesamten Zeit dieser Debatte eingehend mit
vielen Berliner Piraten unterhalten. Dabei kamen in den meisten Fällen ähnliche Argumente auf den Tisch, wie ich sie hier benennen möchte.

Auch wenn mancher daran zweifeln mag, INNERHALB der Piraten betrachten wir uns wirklich als post-gender. Damit wollen wir sagen, dass wir einen Punkt der Akzeptanz und Toleranz erreicht haben, an
dem wir niemanden ausgrenzen oder benachteiligen aufgrund irgendeiner angeborenen oder erlangten Eigenschaft. (Außer vielleicht Ignoranz, woher die auch kommen mag.) Damit betrachten wir uns, als
der Gesellschaft einen Schritt voraus.
Es ist ja unbestritten, dass Frauen, Homo-, Bi- oder irgendetwas anderes-sexuelle Menschen (sorry, wenn das nicht ganz pc formuliert ist) im täglichen Leben oftmals benachteiligt werden. Und daran
wollen wir Piraten auch aktiv etwas ändern. Wir (zumindest viele von uns) sehen es halt einfach nicht ein, uns von außen diktieren zu lassen, wie wir bestimmte Themen anzugehen haben. Die
demokratischen Entscheidungs- und Meinungsfindungsprozesse stehen bei uns an oberster Stelle.

Soll heißen: Wir behandeln das Thema ud versuchen Sexismus, wie auch Rassismus und jeden anderen benachteiligenden -ismus zu bekämpfen.
Wir glauben aber, dass, wer den Weg zu den Piraten gefunden hat, größtenteils in seinem (ich möchte hier absichtlich nicht schreiben wie ein Mitglied der GRÜNEN) Denken und Handeln bereits davon
befreit ist. Ausnahmen bestätigen auch hier wieder die Regel.

Jetzt zerfleisch mich Macho, lösch den Kommentar oder mach, was du willst damit. Aber so sehe ich das. Und wie gesagt, viele Piraten sehen es ebenso. Auch Frauen.

Aloha und Grüße

Urban Pirate


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