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4. Juni 2009 4 04 /06 /Juni /2009 23:11

"Die machen doch eh, was sie wollen..." ist einer beliebstene Sätze in Deutschland, um politische Gleichgültigkeit zu rechtfertigen.

 

Sogar der einfache Weg ins Wahllokal und ein wohl überlegtes Kreuz, ist vielen Leuten zu mühsam und jede Ausrede kommt da wie gerufen - da kann sie noch so platt sein.

 

Richtig ist: Natürlich werden die Europawahlen am Sonntag keinen revolutionäre Veränderungen bringen. Denn selbst die vielen Parteien, die dieses Mal antreten sind bereits eine Auswahl und Kompromissse zwischen den rund 80 Mio Meinungen und Interessen, die allein in Deutschland möglich und zu erwarten sind.

 

Wenn also jemand sagt, er wählt nur die Partei, die zu 100% seine Meinungen und Interessen vertritt und auch noch sympatische Leute hat, der muß tatsächlich enttäuscht sein. So eine Wahl verschiedenen Parteien kann nichts anderes sein, als eine Entscheidung, welche davon mich vielleicht am besten vertritt. Oder: Mit welcher Wahl ich den Regierenden ein Zeichen gebe, welche Themen sie doch in Zukunft stärker berücksichtigen sollen.

 

Neben der Tatsache, das Wahlen darüber entscheiden, welche Parteien die Regierung bilden dürfen / könnten (was immer einen Unterschied macht  - wenn auch nicht so drastisch, wie viele sich das wünschen), entscheiden Wahlen fast immer noch über viele andere Dinge:

- mit wie vielen Abgeordneten und Mitarbeitern eine Fraktion ausgestattet wird, um ihre Politik besser ausarbeiten zu können umd im Land dafür zu werben

- welche Gruppen und Fraktionen innerhalb einzelner Parteien gestärkt & geschwächt werden (bis zum Rücktritt / Rückzug von Spitzenpolitikern)

- wem die Presse Aufmerksamkeit widmet

- wer wieviel Wahlkampfkostenerstattung bekommt (kriegen auch die kleinen Parteien) - das brauchen sie auch, da sie im Gegensatz zu CDU / CSU, FDP und SPD nicht auf Millionenspenden der Großindustrie zählen können.

 

Wer dagegen nicht zur Wahl geht, erreicht zumindest dieses:

- Er sagt den Gewinnern das Wahl, das sie seinetwegen tun können, was sie wollen

- Er stärkt die Rechtsradikalen, da diese von geringer Wahlbeteiligung besonders profitieren

- Er stärkt den Einfluss der Groß-Industrie auf die Politik 

- Er stärkt den Einfluss der BILD auf die Politik

 

Wollt ihr das wirklich?

 

Falls nicht, stellt sich natürlich die Frage: Was wählen?

 

Dabei immer vor Augen halten: Es kann nie perfekt sein. Und auch die Partei eurer Wahl muss vielleicht später Kompromisse eingehen, die ihr schlecht findet. Denn wenn man mit x% (x<50) der Stimmen nicht nur protestieren, sondern trotzdem aktiv mitgestalten will, kommt man nicht darum herum.


Wie ich es gemacht habe, sehr ihr hier:

http://direkteaktion.over-blog.de/article-31500001.html

 

Eure Gedanken kann ich euch nicht abnehmen. Damit sich wirklich was ändert, kann man natürlich noch viel mehr tun. Aber wer es nicht mal zur Wahlurne schafft, muss sich wirklich fragen lassen, ob er es ernst meint, oder nur hohle Sprüche klopft.

 

Noch eine Überlegung: Wenn alle Nichtwähler  zur Wahl gehen würden und z.B. die APPD wählen würden, könnten sie das Parteien-System Deutschlands komplett auf den Kopf stellen. Wäre ganz einfach. Dann würden Wahlen wirklich was ändern.

 

Es liegt also nicht an den Wahlen, sondern an den Wählern, wenn sich nichts ändert.

 

 

Meine Traum Wahlergebniss wäre übrigens eine große Koalition - zwischen Grünen und  Piratenpartei. Vielleicht helft ihr ja mit, das möglich zu machen. Das würde auch wirklich was ändern...

 

 

 

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Published by Direkte Aktion - in Staat & Gesellschaft
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Kommentare

jobo 06/24/2009 15:03

@Skeptiker

Du hast echt die jämmerlichste Einstellung zum Wählen die ich seit langem gehört habe. Wie egoistisch kann man bitte sein, nur wählen zu gehen, wenn es einen selbst betrifft? Wähl' vielleicht mal spaßeshalber eine Partei die sich wahlweise für Tiere, Arme, Kranke, die Umwelt, unsere Nachkommen oder was auch immer und nicht die Wohlhabenen einsetzt, wenn du tatsächlich ein an "universeller Emanzipation und Glück interessierter Mensch" bist.

Und wie zum Teufel entscheidest du, ob in der nächsten Legistlaturperiode etwas zur Entscheidung steht, was dich betrifft oder nicht? Sag mir doch mal kurz was die CDU/FDP in den nächsten Jahren alles für Scheiße bauen werden die dich nicht oder doch betrifft.

Ich muss gestehen, daß ich das echt nicht weiß aber ist es im System geregelt, daß eine Wahl bei zu geringer Wahlbeteiligung ungültig ist? Wie niedrig ist diese Grenze? Was passiert dann? Wahrscheinlich wird ja die Wahl einfach wiederholt bis es genügend Stimmen gibt, oder? In so einem Fall würde ja wohl kaum über eine andere Regierungsform nachgedacht werden, oder? Was soll denn Nichtwählen überhaupt bringen?

Und wie gesagt: solange man nicht wählen geht ODER sich aktiv dafür einsetzt das System zu verändern hat man auch kein Recht über irgendwas zu meckern.

Im Gegensatz zum Nichtwählen macht es aber Sinn Stimmen an kleine Parteien zu verschenken, denn wenn das viele Leute machen (ich weiß, daß das nie passieren wird aber solange du, du und du ihren Arsch nicht hochkriegen, ist Lethargie halt eine selffullfilling prophecy) würden hätten wir mal eine etwas interessantere Parteienlandschaft und vielleicht sogar irgendwann ein Deutschland mit dem man sich identifizieren könnte.

Kirstee 06/10/2009 23:45

Was hat denn eine geringe Wahlbeteiligung mit dem Einfluss der Industrie und der Bild-Zeitung auf die Politik zu tun?

skeptiker 06/07/2009 18:45

Das ist doch Unsinn:

man kann von einem an universeller Emanzipation und Glück interessierter Mensch keine grundsätzlichen Aussagen machen, ob Wählen Sinn macht.

Wer wie du dogmatisch fürs Wählen eintritt, der stärkt die Legitimation des aktuellen politischen Systems.

Damit möchte ich nicht sagen, dass wählen gehen per se dumm wäre oder falsch. Aber ob man da nun hingeht und entweder einer Partei des kleineren Übels die Stimme gibt (die dann bei Regierungsbeteiligung zum Umfaller wird und schäbigste reaktionäre Politik mitträgt, wie die Grünen gezeigt haben und auch die PDS in Berlin) oder irgendeine Partei wählt, die keine Chance hat, oder aber zu hause bleibt macht bei den meisten Wahlen keinen Unterschied.

Diese sehr abgeklärte und eigentlich recht vernünftige Haltung diskreditierst du auf moralinsaure Weise.

In manchen Situationen aber kann es aber durchaus sinnvoll sein, wählen zu gehen: bei drohenden faschistischen Machtübernahmen z.B. (auch wenn dann sicher Gewehre in der Hand mehr verändern als ein Kreuz auf einem Wahlzettel), aber auch bei weniger dramatischen Dingen, wenn sie einen selbst direkt betreffen und harte Konsequenzen für einen hätten. Z.B. hab ich schon mal wegen drohender Einführung von Studiengebühren gewählt (die mein Budget extrem belasten) und halte das auch nach wie vor für sinnvoll, auch wenn ich grundsätzlich ziemlich skeptisch bin, was das Wählen angeht...

Und genau deswegen halte ich es mit dem Wählen so, dass ich in der Regel nicht hingehe, manchmal aber schon.

Das man die Bild stärke oder so was sind keine Argumente, sondern Verschwörungstheorie... Es gibt auch andere Medien und die werden auch gelesen und trotzdem (oder deshalb) wählt der Großteil der Leute hier immer wieder CDU und SPD.

Direkte Aktion 06/10/2009 22:50


Hallo Skeptiker,

hey, das war sehr liberal für meine Person. Ich kann auch anders.

Ich jedenfalls spreche dir jegliche Berechtigung ab, dich über die bestehenden Verhältnisse zu beklagen. Ich kann das erbärmliche Gejammere von Leuten die den Arsch nicht mal zum Wählen
hochkriegen, einfach nicht mehr ertragen. Wenn du aber eh zufrieden bist, passt das ja.

Ansonsten: Ja, in manchen Fragen bin ich (auch wenns unmodern ist) Exisenzialist. Dieser postmoderne Scheiß ist nicht mein Ding. An universeller Emanzipation binich nicht interessiert, denn als
hart arbeitender Mensch hängt mein Glückvon sehr realen Rahmenbedingungen ab.

Zur Legitimation des aktuellen politischen Systems: Die parlamentarische Demokratie mag ncith das gelbe vom Ei sein, aber immer noch besser als alles, was die Menschheit in den letzten 20 Mio
Jahren auf nationaler Ebene sonst hervorgebracht hat (wenn man von einer kurzen Periode in Spanien absieht) .




Andreas 06/05/2009 23:41

Guter Artikel. Hoffe die Wahlbeteiligung wird hoch sein, auch wenn es vermutlich nicht der Fall ist. Wirklich traurig.
Habe selber auch versucht, zum Wählen zu motivieren:
http://griess.wordpress.com/2009/06/04/europawahl-warum-wahlen-gehen/

Direkte Aktion 06/10/2009 22:53


hi Andreas

freut mich.

Möchte aber zu bedenken geben, das die Wiederholung der Kritik diese im Unterbewußtsein verankert.



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