Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
31. März 2009 2 31 /03 /März /2009 20:52
An diesem Freitag gibt es Zwischenzeugnisse. Viele Eltern beklagen, dass schon in der Grundschule der Notendruck steigt. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) möchte das Zwischenzeugnis abschaffen und plädiert stattdessen für regelmäßige "Vertrauensgespräche zwischen Lehrern und Eltern". Waltraud Lucic, Vorsitzende des Münchner Bezirksverbandes, geht noch weit darüber hinaus. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung bezeichnet sie den Leistungsdruck als "verrückt" und wirft dem Notensystem vor, die Lehrer zu "Aussortierern" zu machen., schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Ja. Richtig. Noten sind eindimensional, subjektiv und (meist) ungerecht. Sie sind der primitive Versuch, die komplexen Vorgänge des Denkens, Lernens, Sozialverhaltens und der Persönlichkeitsentwicklung auf eine [meist: diskretes] Nummernspektrum zwischen 1 und 6 abzubilden. Keine halbwegs intelligente Person könnte das bei objektiver Analyse für angemessen halten. Trotzdem hängt fast das ganze Leben davon ab.

"Die Ziffernnoten, die an deutschen Schulen verteilt werden, sagen rein gar nichts aus über den Leistungsstand und Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler", sagte Sven Lehmann, Landesvorstandssprecher der Grünen Jugend, bei der zentralen Veranstaltung am Düsseldorfer Rheinufer. Statt der blanken Noten von eins bis sechs müssten alternative Formen der Leistungsbewertung eingeführt werden, wie zum Beispiel Lerntagebücher und individuelle Förderempfehlungen, so wie sie in Skandinavien bereits existieren.

Auch in Hamburg wird umgedacht: Dort dürfen die Lehrer jetzt mit Worten statt mit Zahlen urteilen, das neue Schulgesetz macht's möglich. Der Vorschlag kam ausgerechnet von den Zensurenfreunden aus der CDU, berichtet der Spiegel.

Die Bewertung ohne Noten soll dort auf einem "Kompetenzraster" basieren, das beurteilt, was die SchülerIn in der Schule macht. Was sie schreibt und sagt, ob er wach ist oder nicht - und so weiter.


Für das Fach Deutsch wird dann zum Beispiel statt einer "Drei" im Zeugnis stehen, wie gut jemand Diktate und Aufsätze schreiben kann, ob er oder sie eigenständig arbeitet oder immer beim Nachbarn abschreibt und sich alles dreimal erklären lässt.

"Das Zensurensystem schafft eine Ellbogenmentalität in den Klassenzimmern", sagt Hamburgs Elternvorsitzende Karen Medrow-Struß SPIEGEL ONLINE. Sie findet Noten nicht pädagogisch sinnvoll, da sie den Schülern keine klare Beurteilung ihrer Leistungen geben. Außerdem würden die Noten die Schüler nicht aufs Arbeitsleben vorbereiten, sagt sie - "wir bekommen im Job ja auch keine Zensuren".

Auch die "WELT" läßt Notenkritiker zu Wort kommen: "Nicht Auslese, sondern Förderung muss als oberstes pädagogisches Prinzip gelten", zitiert sie den Erziehungswissenschaftler Professor Jörg Ziegenspeck aus Lüneburg aus einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Bei der WELT kann man übrigens auch über die Forderung abstimmen. Allerdings sind dort die Leser -- wie nicht anders zu erwarten -- absolut gegen solche Verbesserungen und fürchten natürlich prompt "Das wäre das Ende der Leistungsgesellschaft" (71%). Aber was hat man von den Lesern der WELT auch anderes zu erwarten?

Auch wenn die Forderung jetzt wieder an Aktualität gewinnt, die JungdemokratInnen, eine parteiunabhängige Jugendorganisation fordert schon seit 1999: Noten abschaffen


Diesen Post teilen

Repost 0
Published by Direkte Aktion - in Schule & Bildung
Kommentiere diesen Post

Kommentare

OmniTech Support 09/17/2014 14:56

We should allow and nurture natural talents in our kids even though it seems to be unnatural to you. I know many parents stopped their kids from joining arts school. But make sure you are doing the right thing not for you, but for them!!!

Thomas 08/04/2009 12:25

"Auch in Hamburg wird umgedacht: Dort dürfen die Lehrer jetzt mit Worten statt mit Zahlen urteilen, das neue Schulgesetz macht's möglich."

Also wie bisher auch in Arbeitszeugnissen. Und dann gibt es übersichtliche Tabellen, mit denen man die Worte in Zahlen umrechnen kann?

Ich laß mich da als Schüler lieber anhand einer festgelegten und aussagekräftigen Skala beurteilen, als durch irgendwelche ausformulierten und vom Lehrer selbst gewählten Beschreibungen. Bei uns war es in der Tat so, daß man in der Grundschule ein reines Textzeugnis bekommen hat, Ende der zweiten Klasse kamen dann Noten in den Hauptfächern dazu, dann in allen Fächern und im Laufe des Gymnasiums wurde der Textteil immer schmaler. Irgendwann hilft gutgemeinte Schönfärberei halt einfach nicht mehr weiter und man beschränkt sich auf einen objektiven Leistungsspiegel...

Nicht verkehrt wäre es dagegen, zur Durchsetzung eines objektiveren Urteils einen Rechtsweg gegen einzelne Noten zu eröffnen. Das wird jedoch, fürchte ich, an den Ressourcen scheitern und im Endeffekt dazu führen, daß berüchtigte Streithansl von vornherein sicherheitshalber besser bewertet werden.

Unser Schulsystem hat jedenfalls derzeit andere Probleme, da müssen wir nicht als erstes die Noten abschaffen.

Traumzauberbaum 04/03/2009 09:57

Die Forderung ein Lernen ohne Noten zu verwirklichen ist wahrscheinlich in der Pädagogik so alt wie die Noten selbst. Politisch wird die Forderung vermutlich seit den 90ern diskutiert.

Sie ist alles andere als albern oder naiv. Viele wichtige Erziehungswissenschaftler, wie zum Beispiel prof. Dr. Dr. Edelstein, ehemaliger Leiter des Max-Plank Instituts für Bildungsforschung sind VertreterInnen dieser Forderung. Es gibt genügend Versuchsschulen die bewiesen haben das es funktioniert. So zum Beispiel die Laborschule Bielefeld, angeschlossen an die Uni zur wissenschaftlichen Begleitung. Diese Schule arbeitet seit Jahrzehnten ohne Noten. Die SchülerInnen bekommen dort ein differenziertes, tatsächlich helfendes Feedback das den Lernprozess unterstützt und nicht einfach nur nach scheinbar objektiven Gesichtspunkten bewertet. Hier der Link wo das Feedbacksystem erklärt wird. : http://de.wikipedia.org/wiki/Laborschule_Bielefeld#Das_Beurteilungssystem_der_Laborschule_Bielefeld

Noten erfüllen keinen pädagogischen Zweck. Sie geben kein differenziertes Feedback, das mit weiterhilft in meinem Lernprozess. Sie sagen mir nur ob ich gut, ausreichend oder gar mangelhaft war, ohne auf die Gründe dafür einzugehen. Sie geben keinerlei Unterstützung bei der Planung des Lernens, denn sie kommen schlichtweg zu spät, nämlich am Ende einer Unterrichtseinheit. Sie geben keinen Ausblick oder weisen darauf hin was anders gemacht werden soll. Sie zeigen auch im zweifelsfall keinerlei Stärken. Noten sind ein Produkt einer Pädagogik die am Mangel orientiert ist und nicht an den Stärken einzelner Individuen.

Darüber hinaus sind Noten ein politisches Instrument. Das wird tatsächlich auch so in der LehrerInnenausbildung unterrichtet. Noten haben ganz klar einen Selektionsauftrag, da wird auch kein Hehl drum gemacht. Und genau dieser Selektionsauftrag ist abzulehnen. Denn es wird nicht etwa nach objektiven Gesichtspunkten gemessen. Leistung ist immer Subjektiv udn die Beurteilung der Leistung unterliegt ebenfalls einem Subjektiven Eindruck. Eine Schülerin aus einem sozial schwachen Millieu die ihre Alkoholkranke Mutter pflegen muss und es trotzdem schafft in Mathe eine 3 zu schreiben hat womöglich sehr viel mehr geleistet als ihr Mitschüler dessen Vater Mathematikdozent an der Uni ist. Leistung ist eine Physikalische Größe, keine menschliche.

Es gibt jede Menge vergleichsstudien die zeigen das die Notenvergabe für ein und dieselbe Arbeit eher an einen Zufallsgenerator erinnert als an tatsächlich überprüfbaren Kriterien. Selbst bei vermeintlich objektiv zu bewertenden Mathearbeiten gibt es bei der gleichen Arbeite bei dem einen Lehrer eine 1 und bei einem anderen eine 6. Hier der Link zu einem Artikel über die Studien http://www.zeit.de/2006/25/Noten_xml

Es gibt viele Gründe gegen Noten zu sein, es gibt pädagogische und es gibt politische Gründe. Die Forderung aber als naiv zu bezeichnen zeigt schlichtweg das sich da jemand nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat... naiv ist wohl nur der unbeirrte Glauben das in der Schule alles gut läuft und an den Grundfesten nicht gerüttelt werden sollte...

KW 04/01/2009 23:31

Nun, ich versuche gern sachlich zu bleiben.
Ich wohne in Sachsen, hier hat man es in der letzten PISA auf den ersten PLatz unter den Bundersländern geschafft.

Ob das was zu bedeuten hat? Nein. Ich glaube viel mehr, dass eine Studie wie PISA nur ein freudig erwarteter Startschuss für Kritiker, wie Winnenden ein Hallelujah für "Gewaltspiel"-Gegner ist.
Und außerdem sehe ich absolut keinen Zusammenhang zwischen diesen Ergebnissen (die übrigens auch in Zahlen gemessen wurden) und der Behauptung, dass es diese nicht mehr bringen würden. Ich habe wie jeder Schüler in den 12 Jahren genug Lehrerwillkür erlebt, als dass ich mich auch noch für die Abschaffung von Noten/Punkten aussprechen könnte.

Inhaltliche Änderungen im Bildungssystem? Eine Erneuerung, meinetwegen "Reform", ist nötig, klar (nebenbei, sowas gab es hier mittlerweile schon, bei uns in Sachsen sind wir die letzten mit dem alten Lehrplan). Nur glaubt jeder zu wissen, vor allem jene, die seit vielen Jahren keine Bildungsanstalt mehr betreten haben, wie man ein solches Problem am besten anpackt, und damit mein ich jetzt nicht explizit Sie.

Guten Abend.

Direkte Aktion 04/02/2009 22:45


Hallo,

ehrenwert, das jemand aus einem Bundesland, das bei PISA gut abgeschnitten hat, die Studie hinterfragt. Ausagekräftig ist PISA aber vor allem im internationalen Kontext, wo D-Land trotz seinem
Stolz auf sein autoritäres, dreigliedriges Schulsystem international ziemlich mau dasteht auch wenn wir es mit den USA noch allemal aufnehmen können).
Ich glaube aber, du erliegst der Täuschung, das Noten / Punkte eine Art Objektivität herstellen können. Sehr viele Schüler und Schülerinnen erleben das anders: Welche Noten sie bekommen, hängt vom
Lehrer ab: Ob seine Art zu erklären einem liegt, wie er einen motiviert und auch ob er einen mag oder nicht. Viele erleben auch, das Noten zur Disziplinierung verwendet werden: Wer sich in seinem
Verhalten, seinen Ansichten oder sogar seinem Aussehen nicht an die Lehrer anpaßt, wird mit schlechten Noten bestraft.

Wenn Lehrer dagegen exakt darstellen müssen, was jemand kann, und was nicht, sind solche Bestrafungen zwar nicht unmöglich, aber schwieriger und zumindest für die Schüler ggf. als Lüge
offensichtlich.

Darüber hinaus lernen wir heute dich vor allem für Noten - und nicht für Wissen. Nicht was sich kann und weiss, spielt eine Rolle, sondern welche Noten ich habe. Die Noten legen meine Chancen und
meine weitere Laufbahn fest. Das finde ich falsch. Das fand ich schon falsch als ich zur Schule ging und meine Tochter, die jetzt zur Schule geht, findet das auch falsch.

Gruss Benno


KW 04/01/2009 16:48

Ich bin Schüler der 12. Klasse, mache grade mein Abitur und finde diese Forderung inkl. der präsentierten Argumente herzlich albern (NEIN, ich bin nicht liberal, konservativ oder gar rechts und KEIN ZEIT-Leser).
Wer dem Noten- bzw. Punktesystem eine "Ellbogenmentalität" als Folge anhängt oder sich über fehlende Differenzierungsmöglichkeiten beklagt, hat wohl vergessen, dass ohne Noten niemand mehr objektiv gemessen und gezielt gefördert werden kann. Natürlich zeigen Noten einen "Besseren" und einen "Schlechteren" auf, aber in Zeiten von Fachlehrermangel so über ein auf lange Zeit bewährtes System zu schimpfen, pseudo-soziale Maßnahmen fordern und dabei auf "Experten", oder noch besser: Eltern zu hören, erscheint mir als naiv und ärgert mich.

Direkte Aktion 04/01/2009 23:11


Lieber KW,

leider beschränkst du dich darauf, die Argumente anderer zu diffamieren, statt dich inhaltlich damit auseinander zu setzten. Ein schwaches Bild für einen Schüler der 12. Klasse.

Angesichts der miserablen deutschen Pisa-Ergebnisse deiner Generation, kann man wohl kaum von einem "bewährten" System sprechen. Was nun zu ändern ist, darüber kann man gewiss streiten. Aber doch
bitte sachlich und inhaltlich, anstatt mit abwertenden, aber inhaltslosen Floskel wie "naiv" und "albern".


Über Diesen Blog

  • : Direkte Aktion
  • Direkte Aktion
  • : Anstatt die Bürgerinnen und Bürger zu Zuschauern der Demokratie zu degradieren (wie das viele Medien tun), bietet das Blog "DirekteAktion" vielfältige Möglichkeiten, aktiv einzugreifen, Druck auf die Politiker auszuüben und die Welt in der wir leben zu verbessern. Diese Bemühungen können alle LeserInnen unterstützen, indem sie bei den Aktionen mitmachen und diese aktiv weiterempfehlen. DirekteAktion begreift sich als demokratisch und konstruktiv.
  • Kontakt

Newsletter

Abonniere doch unseren Newsletter oder unseren Feed. Beides hält dich schnell und kostenlos auf dem laufenden.

 

Oder folge uns auf Twitter unter @direkteaktion (viele Infos) und / oder @action_pur (nur Mitmach-Aktonen).

Auf identi.ca findest du uns auch unter@direkteaktion.