An diesem Freitag gibt es Zwischenzeugnisse. Viele Eltern beklagen, dass schon in der Grundschule der Notendruck steigt. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) möchte das Zwischenzeugnis abschaffen und plädiert stattdessen für regelmäßige "Vertrauensgespräche zwischen Lehrern und Eltern". Waltraud Lucic, Vorsitzende des Münchner Bezirksverbandes, geht noch weit darüber hinaus. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung bezeichnet sie den Leistungsdruck als "verrückt" und wirft dem Notensystem vor, die Lehrer zu "Aussortierern" zu machen., schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Ja. Richtig. Noten sind eindimensional, subjektiv und (meist) ungerecht. Sie sind der primitive Versuch, die komplexen Vorgänge des Denkens, Lernens, Sozialverhaltens und der Persönlichkeitsentwicklung auf eine [meist: diskretes] Nummernspektrum zwischen 1 und 6 abzubilden. Keine halbwegs intelligente Person könnte das bei objektiver Analyse für angemessen halten. Trotzdem hängt fast das ganze Leben davon ab.
"Die Ziffernnoten, die an deutschen Schulen verteilt werden, sagen rein gar nichts aus über den Leistungsstand und Förderbedarf der Schülerinnen und Schüler",
sagte Sven Lehmann, Landesvorstandssprecher der Grünen Jugend, bei der zentralen Veranstaltung am Düsseldorfer Rheinufer. Statt der blanken Noten von eins bis sechs müssten alternative Formen der Leistungsbewertung eingeführt werden, wie zum Beispiel Lerntagebücher und individuelle Förderempfehlungen, so wie sie in Skandinavien bereits existieren.
Auch in Hamburg wird umgedacht: Dort dürfen die Lehrer jetzt mit Worten statt mit Zahlen urteilen, das neue Schulgesetz macht's möglich. Der Vorschlag kam ausgerechnet von den Zensurenfreunden aus der CDU,
berichtet der Spiegel.
Die Bewertung ohne Noten soll dort auf einem "Kompetenzraster" basieren, das beurteilt, was die SchülerIn in der Schule macht. Was sie schreibt und sagt, ob er wach ist oder nicht - und so weiter.
Für das Fach Deutsch wird dann zum Beispiel statt einer "Drei" im Zeugnis stehen, wie gut jemand Diktate und Aufsätze schreiben kann, ob er oder sie eigenständig arbeitet oder immer beim Nachbarn abschreibt und sich alles dreimal erklären lässt.
"Das Zensurensystem schafft eine Ellbogenmentalität in den Klassenzimmern", sagt Hamburgs Elternvorsitzende Karen Medrow-Struß SPIEGEL ONLINE. Sie findet Noten nicht pädagogisch sinnvoll, da sie den Schülern keine klare Beurteilung ihrer Leistungen geben. Außerdem würden die Noten die Schüler nicht aufs Arbeitsleben vorbereiten, sagt sie - "wir bekommen im Job ja auch keine Zensuren".
Auch die "WELT"
läßt Notenkritiker zu Wort kommen: "Nicht Auslese, sondern Förderung muss als oberstes pädagogisches Prinzip gelten", zitiert sie den Erziehungswissenschaftler Professor Jörg Ziegenspeck aus Lüneburg aus einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Bei der WELT kann man übrigens auch
über die Forderung abstimmen. Allerdings sind dort die Leser -- wie nicht anders zu erwarten -- absolut gegen solche Verbesserungen und fürchten natürlich prompt "Das wäre das Ende der Leistungsgesellschaft" (71%). Aber was hat man von den Lesern der WELT auch anderes zu erwarten?
Auch wenn die Forderung jetzt wieder an Aktualität gewinnt, die
JungdemokratInnen, eine parteiunabhängige Jugendorganisation fordert schon seit 1999: Noten abschaffen