Sonntag, 11. oktober 2009
7
11
/10
/2009
12:13

Kaum ist die Packung „Philadelphia alla Pesto verde &
Tomate“ auf, zerplatzt die Illusion. Statt jeder Menge „sonnengereifter Tomaten“, wie sie die Packung zieren, enthält die „Zubereitung aus Frischkäse“ aus dem Hause Kraft Foods gerade mal 0,4
Prozent Tomaten. Und das auch nur in getrockneter Form. Echtes Pesto sucht man gleich ganz vergebens, lediglich eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung hat Kraft in den Becher gerührt.
Der Schwindel: Kraft bewirbt „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“ als „mediterranen Genuss“ mit „sonnengereiften Tomaten“, auf der Verpackung glänzen jede Menge Tomaten und ein
Mörser voll Pesto. Außerdem, so Kraft, biete Philadelphia eine „einzigartige Qualität“.
Die Wahrheit: Die Frischkäsezubereitung enthält gerade einmal 0,4% getrocknete Tomaten – das sind winzige 0,7 Gramm pro Packung. "Enthält Spuren von Tomaten" wäre ehrlich gewesen. Und statt
Pesto gibt es lediglich eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung. Dafür stecken jede Menge Zusatzstoffe wie das Verdickungsmittel Carrageen (E407) und das Säuerungsmittel Citronensäure (E330) drin, dem
Geschmack wird mit Aromen auf die Sprünge geholfen.
Alle Fakten zu Philadelphia alla Pesto verde & Tomate von Kraft Foods (PDF) von abgespeist.de
Machen Sie mit: Sie können sich direkt bei Kraft Foods über die dreiste Verbrauchertäuschung beschweren:
Hersteller: Kraft Foods Deutschland
Produkt: Philadelphia alla Pesto verde & Tomate
Verbraucherservice:
Telefon: 0421 - 599 01
Fax: 0421 - 599-3675
E-Mail: bei-uns-zu-hause@krafteurope.com
Oder ganz einfach über die
abgespeist.de
Aktionsseite (bisher haben schon 1.739 Menschen mitgemacht).
Zum Hintergrund: Zutaten ausdrücklich zu bewerben, die nur in winzigen Mengen im Produkt enthalten sind, ist ganz legal. Eine Irreführung der Verbraucher ist es trotzdem. Auch „einzigartige
Qualität“ kann jeder Hersteller nach Belieben anpreisen – bestimmte Qualitätskriterien muss er dafür nicht erfüllen. Für Verbraucher ist Qualität im Lebensmittelmarkt oft schwer zu erkennen, auch
der Preis ist kein verlässlicher Hinweis.
Denn im Supermarkt bedeutet „teuer“ nicht immer „gut“ und „billig“ nicht immer „schlecht“, wie das Beispiel Philadelphia zeigt. Die bekannte Frischkäse-Marke gehört zu den teuersten im Regal, die
meisten Geschmacksrichtungen enthalten jedoch jede Menge Zusatzstoffe und Aromen.
Eine günstige Handelsmarke kann dagegen deutlich weniger Zusatzstoffe enthalten. Darum ist der Vorwurf der Lebensmittellobby, deutsche Verbraucher seien vor allem am Preis, weniger an der Qualität
interessiert, absurd.
Wenn für Verbraucher überhaupt nicht ersichtlich ist, was die angeblich höhere Qualität ausmacht, dann weigern sie sich zu Recht, mehr für ein Produkt zu bezahlen.
Mein Fazit: Ein teures Markenprodukt ist keine Garantie für Qualität. So lange „Qualität“ vor allem aus leeren Werbeversprechen besteht und ein Zutatenschwindel wie bei „Philadelphia“ ganz
legal ist, können sich Verbraucher zu recht verarscht fühlen.