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16. August 2009 7 16 /08 /August /2009 18:58
Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft hat einen Vorschlag gemacht: Urlaubsverzicht zugunsten Arbeitsplatzsicherheit.

Das klingt erst mal vernünftig. Denn schließlich haben wir Krise und da sollte der Arbeitsplatz doch wichtiger sein, als ein paar Tage Urlaub.

 

Doch wenn wir uns das genauer ansehen, dann ist die Forderung ziemlich unverschämt. Denn die Arbeitnehmer sind nicht die Verursacher der Krise. Sondern Unternehmer-Vereinigungen wie der Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, die jahrelang gegen eine – wie sich jetzt zeigt, dringend notwendige - Kontrolle des Wirtschaftsgeschehens durch den Staat agitiert haben.

 

Zum anderen zahlen die ArbeitnehmerInnen mit ihren Steuergeldern bereits reichlich für die Krise – im Gegensatz zu den Unternehmen und Unternehmern, die ja gerade keine Gewinne machen und daher von den meisten Steuern befreit sind.

 

Doch von dieser Unverschämtheit mal abgesehen, ist die Forderung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft geradezu eine Erpressung. Sie benehmen sich wie dreist Straßenräuber, die drohen: Geld oder Leben! Nur das sie sagen: Wer nicht auf Urlaub verzichtet, der könnte seinen Job verlieren. Ein Spiel mit der Angst.

 

Und nicht mal ein faires Angebot machen sie. Denn wenn die Wirtschaft wieder boomt, dann hat sich der Wert des Unternehmens gesteigert, doch die MitarbeiterInnen haben nix davon. Und wenn die nächste Krise kommt (oder der Besitzer das Unternehmen verzockt) ist der Job trotzdem weg.

 

Es wird Zeit, dass der Staat Firmen verpflichtet, in guten Zeiten Rücklagen zur Sicherung der Unternehmen und der Arbeitsplätze zu bilden. Es kann nicht sein, das die Eigentümer in guten Zeiten die Gewinne abschöpfen und in schlechten Zeiten Steuerzahler und Mitarbeiter bluten müssen.

 

Ich sollte vielleicht auch noch erwähnen, dass beim Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft natürlich nicht davon die Rede ist, dass Manager kürzer treten oder die Eigentümer Kapital nachschießen. Wo kämen wir den da hin, wenn die das Risiko tragen? Das wäre ja wie in einer Marktwirtschaft!

 

Gut finde ich auch den Vorschlag von Wesselpower. Der schlägt dem Präsidenten des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft vor:

 

Was bieten Sie als Wetteinsatz all denen, die Ihrem Vorschlag folgen?

Ich hätte da eine Idee:
Wenn sich Ihr Vorschlag in der Praxis als untauglich erweist, leben Sie einen Monat auf Basis von Hartz IV. Sie wechseln einfach mit einem Hartz-IV-Empfänger in Ihrer Nähe  Unterkunft und leben diesen einen Monat mit der Summe mit der dieser auskommen muss. Und diesem Hartz-VI-Empfänger spendieren Sie für diesen einen Monat einen Urlaub in einer Ferienwohnung oder Pension (mit Vollverpflegung) ganz in der Nähe. Und Sie lassen einen Fernsehsender und eine Tageszeitung Ihrer Wahl, Sie bei diesem “Rollentausch” begleiten.


Mehr im Weselpower's Blog

 

Den Fernsehsender kann man gern weglassen und die BILD darf er auch nicht wählen, das ist 1. keine Zeitung (sondern ein Zustand) und steckt 2. mit den Unternehmern eh unter einer Decke. Der kann man nicht trauen.


Auch ja, und die Begrenzung auf einen Monat, die ist auch Unfair. Der Herr muss von Harz 4 leben, bis alle, die trotz Urlaubsverzicht arbeitslos geworden sind, wieder einen Job haben.

Siehe auch:
Wie wir Steuerzahler die Dividenden der Allianz-Versicherung bezahlen
Subventionen finanzieren Parteien?
Kleine Parteikritik 1: Die FDP - Partei gegen den Mittelstand und Kleinunternehmen


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Published by Direkte Aktion - in Wirtschaft
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Kommentare

Alex Schestag 08/23/2009 12:48

Du kritisierst den Vorschlag Vohovens zu Recht, ziehst aber m. E. einen Schluß, der nur bedingt richtig ist, wenn du schreibst:

"Es wird Zeit, dass der Staat Firmen verpflichtet, in guten Zeiten Rücklagen zur Sicherung der Unternehmen und der Arbeitsplätze zu bilden. Es kann nicht sein, das die Eigentümer in guten Zeiten die Gewinne abschöpfen und in schlechten Zeiten Steuerzahler und Mitarbeiter bluten müssen."

Das ist bei großen Unternehmen richtig, und wenn das Unternehmen hohe Gewinne einfährt, bin ich auch dafür. Du übersiehst hier aber für den konkreten Fall m. E. drei wichtige Aspekte:

- Eine Krise dieses Ausmaßes war für die betroffenen mittelständischen Unternehmer, insofern sie nicht selbst mit den dafür verantwortlichen windigen Geschäften zu tun hatten, gar nicht absehbar. Wie soll man Rücklagen im ausreichenden Maße für etwas bilden, was einen in einer völlig unvorhersehbaren Härte trifft?

- Natürlich ist auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen Rücklagenbildung unumgänglich. Aber bei diesen Unternehmen ist eine Rücklagenbildung in dem Maße, daß eine nicht vorhersehbare Krise dieses ungeheuren Ausmaßes wirklich aufgefangen werden kann, je nach Branche ökonomisch sehr schwierig bis schlicht unmöglich. Wenn du das von kleinen oder mittelständischen Unternehmen verlangst, machst du sie kaputt. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein.

- Kaum einer dieser mittelständischen oder kleineren Unternehmer trägt selbst an der Krise irgendeine Schuld. Die trifft es genauso hart, und die kämpfen auch um's eigene überleben.

Daher bin ich der Meinung, daß man einen kapitalen Fehler macht, wenn man, wie du in deinem Kommentar, Mitarbeiter und Inhaber dieser kleinen bis mittelständischen Unternehmen sowie Steuerzahler gegeneinander ausspielt. Wäre es nicht gerechter, diejenigen auch ökonomisch dafür zur Verantwortung zu ziehen, die die Krise WIRKLICH verursacht haben, und die zu zwingen, bedrohten kleinen und mittelständischen Unternehmen zu helfen? Ich weiß, dafür fehlt leider derzeit jegliche Rechtsgrundlage. Hier hat der Staat geschlafen, indem er es versäumt hat, rechtzeitig klare Regeln für den Finanzmarkt sowie Haftungsregelungen für Fälle wie den aktuellen zu schaffen. Daher steht er hier auch voll in der Verantwortung. M. E. hat er folglich kleinen und mittleren Unternehmen in der Krise genauso zu helfen wie derzeit einigen großen. Warum das ohnehin keine Priorität vor Staatshilfen für große Unternehmen, die sich im Gegensatz zu den kleinen ja oft selbst in ihre Lage reingeritten haben, hat, ist für mich völlig unbegreiflich. Gerecht ist das nicht.

Nebenbei: Der Kontrast auf dieser Seite ist eine Katastrophe. Sämtliche Beschriftungen der Formularfelder sind völlig unlesbar. Das solltest du ändern.

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