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4. Juli 2009 6 04 /07 /Juli /2009 18:45
Am Sonntag den 28.06 hat in Honduras das Militär gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Manuel Zelaya geputsch. Der Präsident wurde noch im Schlafanzug außer Landes geschafft.

Doch die Bevölkerung des Landes hat sich gegen den Putsch zusammengeschlossen. Gewerkschaften, Landarbeiterorganisationen, Indigenengruppen und Bewohner der Armenviertel wehren sich gegen den Staatsstreich der reichen Oberschicht uind der Militärinteressen.

 

Obwohl die Putschregierung am Mittwoch mit einem Dekret das Recht auf friedliche Versammlungen und weitere Grundrechte außer Kraft gesetzt hatte, gehen die Proteste weiter. Alleine am Freitag haben die Proteste zwei Opfer und gefordert und 37 Personen wurden verletzt. Außerdem wurden laut dem Vorsitzenden des Komitees zur Verteidigung der Menschenrechte in Honduras, Andrés Pavón, 360 Personen verhaftet.

 

Vor dem Hintergrund der Proteste im Iran droht dieser Staatsstreich in Vergessenheit zu geraten. Doch das Vorgehen der Militär ist genauso diktatorisch wie das der Iranischen Machhaber und nicht weniger brutal. Deshalb wird es höchste Zeit, die internationae Aufmerksamkeit auch auf Honduras zu lenken. Insbesondere Deutschland darf nicht mit zweierlei Maß messen.

 

Die Putschisten gehören international isoliert, Deutschland sollte seine diplomatischen Beziehungen abbrechen und nur mit Präsidenten Manuel Zelaya sprechen. Darüber hinaus sollten sofort alle Lieferungen von Militärgütern unterbunden und ein Wirtschaftsboykott verhängt werden.

 

Honduras ist nach Haiti eines der ärmsten Länder Mittelamerikas. 71,6 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze (Quelle: taz). Andere Schätzungen gehen von bis zu 80 % aus. Dem steht eine kleine, aber sehr reiche Oberschicht gegenüber, die wenig demokratisch gesinnt ist und ausder sich große Teile der mIlitätrischen Führung rekrutieren.

 

Ungebrochen ist auch bis heute der Einfluß der US-Konzerne auf die Politik: Drei US-amerikanische Konzerne, die United Fruit Company, die Standard Fruit Company und die Cuyamel Fruit Company, hatten sich um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert mit Hilfe großzügiger Konzessionen riesige Flächen im karibischen Tiefland angeeignet. Sie bauten Straßen, Eisenbahnen und Siedlungen für ihre Arbeiter; sie wurden die größten Arbeitgeber im Land; sie zahlten nur geringe Steuern, obwohl ihre Gewinne viele Jahre den Staatshaushalt überstiegen; sie machten die „Enklave“ zum weltgrößten Exporteur von Bananen; sie korrumpierten die Politiker und versorgten willfährige Diktatoren mit Geld und Waffen.


 Als diese in den Jahren 1911, 1913 und 1924/1925 dennoch mit Streiks und Unruhen nicht fertig wurden, schickte die USA Interventionstruppen. Während der Weltwirtschaftskrise kaufte die United Fruit Company den Cuyamel-Konkurrenten auf und wurde zum „Staat im Staate“.

Der von 1933 bis 1948 regierende Diktator T. Carías Andino leistete ihr durch die Unterdrückung von Gewerkschaften und Streiks Schützenhilfe.


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Kommentare

not_a_monkey 07/06/2009 19:53

So wie es ausschaut, sind die englischsprachigen Berichte von vor Ort (aka Twitterverse) ueberwiegend Zelaya-feindlich. Es wird weiterhin darauf rumgeritten, dass Zelaya gegen die Verfassung gehandelt habe (was so nicht stimmt, siehe http://www.counterpunch.org/thorensen07012009.html ).

In den Mainstream-Medien wird offenbar die gleiche Litanei abgespielt. Hat einer mal geschrieben, wird nachgeplappert.

Obama war sehr zurueckhaltend in seiner Verurteilung des Putschs (wahrscheinlich - Spekulation einerseits - hat im ein Berater zugefluestert, dass ein Zelaya von Uncle Sams Gnaden ein guter Schachzug waere, um in Mittelamerika wieder an Boden zu gewinnen; eine uebliche Beteiligung der USA als Unterstuetzer des Putschs ist aber zumindest nicht auszuschliessen).

Offenbar ist es leichter, den Iranern auf der Strasse ihre Freiheitsliebe zuzubilligen, die letztendlich gegen den wnig sympathischen Ahmadinedschad gerichtet ist (unabhaengig davon, ob und was _wirklich_ bei der Wahl krumm war), als den Leuten in Honduras zuzubilligen, dass ihr gewaehlter Praesident, fuer den sie auf die Strasse gehen, sein Unabhaengigkeitsstreben fuer sein Land weiterfuehren kann.

Sepp Aigner 07/05/2009 13:51

Ausser denen von United Fruit gibt es inzwischen noch ein paar mehr Konzern-Interessen in Honduras, von US- und westeuropaeischer Seite. Naeheres steht bei scharf links, http://www.scharf-links.de, Rubrik Internationales, "Honduras: Pharma-Multis in Putsch verwickelt" (vom 1. Juli)

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