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15. April 2009 3 15 /04 /April /2009 21:21
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Das Jerichower Land, besonders die Kreisstadt Burg (bei Magdeburg) , unterscheidet sich kaum von anderen ostdeutschen Kleinstädten. Jugendliche, die anders sind und somit nicht in das Weltbild der Nazis passen, werden bedroht und angegriffen. Neben dem Harz gehört das Jerichower Land zu den Räumen in Sachsen-Anhalt, in denen die meisten Aktivitäten von Neonazis festzustellen sind. Seit Ende der 90er Jahre besteht hier in Kontinuität eine große neonazistische Szene. Vor etwa zwei Jahren, mit dem Eintritt in das Organisationsprojekt „Freies Netz“ von Neonazis aus Mitteldeutschland, verstärkte sich auch das organisatorische Auftreten regionaler Nazis. Kundgebungen, Demonstrationen oder Propagandadelikten finden regelmäßig statt. Neben Sprühereien mit rassistischen und antisemitischen Inhalten finden sich auch Morddrohungen an Hauswänden.

Viele Bewohner der Gegend nehmen das Problem nur mit einen Schulterzucken zur Kenntnis. So werden Nazis zu tolerierten „Nachbarn“ und öffentliche Orte zur sicheren Homezone für „Nationale Sozialisten“.

 „…bis die Scheiße aufhört! Den rechten Konsens brechen!“ Während sich die Aktivitäten der lokalen Neonaziszene lange Zeit lediglich auf Auswärtsfahrten zu Aufmärschen oder das Kleben von Aufklebern beschränkte, sind seit rund zwei Jahren auch in Burg Kundgebungen, Flugblattaktionen und Demonstrationen der regionalen Neonazi-Strukturen keine Seltenheit mehr. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war der Beitritt in die Neonazistruktur „Freies Netz“, die in Sachsen, Sachsen Anhalt und Thüringen mit rund acht lokalen Ablegern vertreten ist. Initiiert wurde dies Ende 2006 von Maik Scheffler aus Delitzsch und Thomas Gerlach aus Altenburg. Bei der Gründung Ende 2006 verstand sich das „FN“ noch als „Mitteldeutsches Infoportal der freien Kräfte“ und sollte den Gegenpol zum NPD nahen „Nationalen Beobachter“ sein. Im Laufe der Zeit änderte sich dies, inzwischen rufen einige Regionalabteilungen des „FN“ immer wieder zu Veranstaltungen, Wahlkampfhilfe oder anderen Dingen der NPD auf. Das „FN“ ist seit seiner Gründung allerdings das geblieben, was es auch ausmacht. Eine organisatorischer Versuch, „Bündnisarbeit“ von „Nationalen Sozialisten“ in Mitteldeutschland und darüber hinaus erfolgreicher zu organisieren. Zurzeit sind in dem „Freien Netz Mitteldeutschland“ die Standorte Burg, Altenburg, Borna/Geithain, Chemnitz, Leipzig, Zwickau, Jena und Nordsachen (Delitzsch, Wurzen, Eilenburg, Bad Düben) organisiert.

Seit etwa einem Jahr treten Nazis aus dem Jerichower Land, die wahlweise unter dem Namen „Freie Kräfte Burg“ oder „Autonome Nationalisten Jerichower Land“ agieren, auch als fester Bestandteil des Ordnerdienstes auf überregionalen Aufmärschen auf.

Der widerwärtige Alltagscharakter in den Provinzen entfaltet sich nicht nur, weil Nazis das machen, was Nazis halt so machen: Fremde hassen, Linke hassen, nicht-Rechte hassen, Schwule hassen, Juden hassen, antisemitischen Verschwörungstheorien anhängen, den Nationalsozialismus lieben, Blut lieben, Boden lieben, Eichen lieben und sich permanent größenwahnsinnig, unbesiegbar oder wahlweise von allen verfolgt fühlen. Es brauch doch einiges mehr an Dorfpöbel, um den Topf zum überlaufen zu bringen. Vielerorts hat man so lange Weggesehen, Geschwiegen, Relativiert, Zugestimmt und Verständnis für die „wilden Jugendlichen“ bzw. die jugendlichen Wilden gezeigt, das ein anders-sein, ein nicht-rechts-sein, in der braunen Suppe nur schwer, schlimmsten Falls gar nicht mehr möglich war. Anders-Sein bedeutet dann Gewalterfahrungen, sozialen Druck und Einschränkungen – gar den Tod. Die Idylle und Harmonie des Landes ist der Zwang zur Konformität mit einem Alltag voll von Nazis, ihren Freunden und Freundinnen, dem schweigenden Rest und dem verständnisvollen Fanblock. Die Idylle und Harmonie des Landes wird zum Terror. Keine Aufschreie des Entsetzens, wenn Nazirudel nachts auf Jagd nach Menschen gehen, die nicht in ihr Weltbild passen können und wollen. Keine Empathie für die Opfer rechter, antisemitischer, homophober und rassistischer Gewalt – ob als Drohungen an Wände geschmiert oder durch physische Angriffe. Und wenn die Dorfidylle doch ihre Opfer fordert, weiß man zumindest ganz sicher, dass das Problem von außen kommt.

Nicht nur die relative ungestörte Kontinuität rassistischer Angriffe und das Agieren der Nazistrukturen, wie auch die Ignoranz und das Zuschauen der Mehrheitsgesellschaft, bieten Grund genug, selbstbestimmt und laut unseren Ärger auf die Strasse zu tragen. Linksradikalde Politik kann nicht allein mit „gegen Nazis“ gleichgesetzt werden.
Sie muss als Gesamtgesellschaftliche Kritik vestanden werden!


Den rechten Konsens brechen! Auf nach Burg!


Quelle  und Detail-Infos: http://konsensbrechen.tk/ und http://de.indymedia.org/




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Published by Direkte Aktion - in Nazi-Aktivitäten
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